Juryblog 2. Vorausscheid 2017 – Stephan Michme

Stephan Michme

 

Von Stephan Michme:

Der SWM TalentVerstärker ist mittlerweile DIE Adresse für Musiker von hier und aus der Gegend.

Eine gute Adresse, um vor eigenem und fremden Publikum zu spielen, mit Profisound und Betreuung. Dazu vor einer Handvoll musikverrückter Frauen und Männer, die sich schon Sporen in der großen weiten bunten lauten und leisen Musikwelt verdient haben, und die auf Augenhöhe und konstruktiv mit den Musikern über deren Kunst sprechen und Tipps und Visionen teilen.

Die Stimmung am Abend des zweiten Vorausscheidkonzerts war sehr ausgelassen und geprägt von Respekt, Interesse und Offenheit für alle Künstler, egal wie unterschiedlich sie auch waren. Da macht das Zuschauen und Visionen entwickeln richtig Spaß. Kein negative Energie, kein ausschließliches Abfeiern der Kumpelband und kein Ignorieren der anderen Musiker. Bravo, liebe Musiker und Musikfans. So geht Magdeburger Musikszene!

Zu den Bands. The Aceholes sind schon ziemlich weit. Attitüde, Bühnenpräsenz und Sound sind sehr auf den Punkt. Die Jungs gehen auf die Bühne, schreien 1…2…3…4… einmal ausspucken und ab geht’s! Mag ich und von uns als Jury gab es viel Lob. Die Pause durch technische Schwierigkeiten kann man souveräner lösen. Nicht ewig darüber reden, ob man nicht vielleicht einen Song akustisch spielen könne, EINFACH MACHEN! Mein persönliches Kurzfazit, die kannst du in Hamburg auf ein Punkrockstraßenfest stellen und die Menschen würden fragen, kommt ihr aus Kreuzberg oder direkt aus dem Schanzenviertel… Songs schreiben, Songs schreiben, Songs schreiben und spielen, spielen, spielen!!!

Brain Funk hatten es natürlich schwer nach so einem Auftakt. In fast allen Punkten, die für die Jury wichtig sind, fehlte im Vergleich zu den Aceholes ein wenig. Nicht viel aber doch merklich. Brain Funk haben allerdings etwas, dass sie zu einem absoluten Alleinstellungsmerkmal machen könnten. Nämlich ihre Frau am Bass. Klein von Wuchs, groß in Souveränität und Ausstrahlung. Im doch ziemlich testosterongeprägtem Rockgenre könnte die Band hier noch viel mehr punkten. Bassfrau in den Vordergrund – lässig, souverän, völlig natürlich. Dazu verrichten dann alle Männer um sie herum noch lässig ihren Job. Dazu noch am Songwriting schrauben und nur die Songs live spielen, die wirklich sicher sitzen; und fertig ist eine Band, die man auf jeden Fall im Kopf behält und weiter empfiehlt. Alles wurde so nach dem Konzert direkt besprochen und die Band saß völlig offen und aufnahmebereit dabei. Es ist uns als Jury eine Ehre, wenn all die jungen Musiker an unseren Lippen kleben und unsere Ideen zur Musik in ihre Herzen lassen. Ein guter TalentVerstärker-Moment!

Einen solchen Moment hatten wir auch mit Bolte. Denn wie hart ist es wohl für eine Band, wenn man den Musikern nach einem Konzert sagen möchte, dass sie ein gutes Gespür für Songs und Arrangements haben, sie aber dabei die Gesangsmelodien und ihren Sänger entweder erdrücken oder zurück lassen. Das genau war der Juryeindruck und wir haben uns echt überlegt, ob und wie wir das formulieren. Allen Bedenken zum Trotz haben die Jungs, insbesondere auch der Sänger, unsere Wahrnehmungen sehr dankbar und professionell auf- und angenommen. Nicht nur das, sie haben gleich konstruktiv und motiviert nach vorn gedacht. Danke dafür, das ist alles andere als normal und für uns als Jury und den ganzen Geist des SWM Talentverstärkers Bestätigung und Inspiration. Dicken Respekt von mir persönlich und vom ganzen Team, hoffentlich auf ein weiteres Mal!

Künstler wie Môrre überraschen uns immer wieder, machen Spaß und sind so wichtig für den TalentVerstärker. Dieser junge schüchterne Typ am Piano hat aus meiner und aus Jurysicht mal herrlich abgeräumt. Kein leer gespielter Saal oder laut quatschende desinteressierte Rockfans, im Gegenteil. Da waren offene Münder, knutschende Punks und versonnen am Bier nippende Indiebartmänner zu sehen und auch zu fühlen. Ja, zu fühlen. Der ganze Saal war voller knisternder, schöner, warmer Energie. Zumindest wenn Môrre spielte und sang. Und da kamen wir zum auch in der Jury diskutierten Punkt. Ansagen, erzählte Geschichten und Songs passten irgendwie nicht zusammen. Das wurde wunderbar philosophisch und ebenfalls offen und konstruktiv mit dem Künstler besprochen. Ideen wurden gemeinsam entwickelt und kamen auch gut an. Dieses Künstlergespräch erinnerte mich stark an gute Diskussionen und Kreativmeetings im „großen“ Musikgeschäft… das war auch ganz schön „wow“!

Hallo Elephant’s Foot! Was war das denn? Bämm, Crash, Boom, Wah und kompromisslos trocken in die Fresse! Irgendwo zwischen Siebzigern, Grunge und Postretrodingsbumms… egal wie irgendwer das nennt. Komposition, Gesang, Instrumentenperformance alles tiptop. Und das war nach 20 Sekunden jedem im Saal klar. Einer der schönsten TalentVerstärker-Momente jemals… Fans und Musiker aller Bands feiern gemeinsam ab… und zwar richtig derbe. Und so konnten während des Jurygesprächs mit den Künstlern Witzchen über Hemden gemacht werden. Unbedingt viele Songs schreiben, viel live spielen, ’ne Platte aufnehmen und auf Vinyl pressen… wenn ihr dazu Hilfe braucht, die Jury ist dabei!

Abschließend noch dies. Publikum top! Bitte weiter zu allen TalentVerstärker-Events kommen und so den vielfältigen Sound of Magdeburg feiern. Und in diesem Jahr sind die Kollegen von den Wohnzimmerkonzerten neu in der Jury. Ich persönlich empfinde das als ’ne große Bereicherung und Inspiration für den SWM TalentVerstärker, danke und weiter so!

Grüße vom Magdeburger JuryKind Stephan Michme

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