Juryblog 2. Vorausscheid 2018 – Henning Lühr

Henning Lühr

Von Henning Lühr:

Meine Sorge, dass unser zweiter Vorausscheid dem großartigen Wetter zum Opfer fallen könnte, war unbegründet. So hatten die vier Bands des Abends den verdient gut gefüllten Saal des Pumpenhauses im Wasserturm Park. 6AM mussten leider absagen, ich wünsche viel Kraft und hoffe, dass wir einen gemeinsamen zweiten Versuch im nächsten Jahr starten.

Die Reiche(n) Söhne aus Halle haben an diesem Abend ganz viel ganz richtig gemacht. Das begann beim Klamotten-Trademark und hörte auf beim textlich wie musikalisch durchgehend hoch gehaltenen Unterhaltungswert. Das kam sehr britisch daher, klang eher nach Mersey River oder Themse als nach Saale. Aber auch Verweise ins schwedische Fagersta oder das sächsische Chemnitz sind nicht von der Hand zu weisen. Ja, das Namedropping in Richtung Kraftklub sei mir gestattet, ist ja auch überhaupt nicht schlimm, erst recht nicht, wenn man festhalten darf, dass die Söhne ganz ohne Rap, deren aktueller Maskulinität und manch anderem K-typischen Lametta auskommen. Einen tut sie jedoch die niemals zu versiegen scheinende Energie. Diese Energie, die zackigen Gitarrenriffs und selbstironischen Texte (hier wäre zwar manchmal weniger mehr) taten Herz, Kopf und den Beinen gut. Der Auftritt war treibend und schnörkellos, stets launig und tanzbar. Die drei Jungs waren dabei charmante Entertainer und Poser zugleich. Organisiert und ungestüm. Dem Vernehmen nach hatten wir es hier mit einer abgespeckten Live-Variante zu tun. Von der Normalversion werde ich mich wohl einmal überzeugen „müssen“.

Ich mochte es im Nachhinein gar nicht glauben, dass dies erst der zweite Auftritt der Band war. Dafür kamen die 20 Minuten Dipol sehr souverän daher. Der zumindest im übertragenen Sinne ruhende Pol des Band- Vortrages ging vom entspannten Schlagzeugspiel aus. Wenn das das Ergebnis von Schlagzeug- Tutorials ist, habe ich den Glauben an den Mehrwert des weltweiten Netzes nicht verloren. Der „Rest“ waren dann schwere und energetische Rhythmen, die neben den melodischen und ruhigen Passagen in das Songwriting einflossen. Das machte Spaß zu hören, auch durchaus der Tatsache „geschuldet“, dass die handwerkliche Umsetzung kaum Wünsche offen ließ. Das hat auch dem Publikum sehr gefallen, welches Dipol zu seinem Liebling auserkoren hatte. Für das Finale wünsche ich mir, dass Sängerin Alexa in den energischeren Passagen noch mehr Kraft entgegensetzen kann oder die Rhythmussektion ihr den nötigen Raum dafür lässt. Das war auch Thema im äußerst konstruktiven Jurygespräch. Ich bin sehr gespannt. 

Starke Melodien, treibende Drums und markante Riffs und eine kraftvolle Stimme, das bleibt mit in Erinnerung von Rakete Royal. Das Quartett aus Laucha hat mir gut gefallen und wenn es denn eines Beweises bedürfte, dass die Entscheidung den Contest für das gesamte Bundesland zu öffnen eine gute war, dann müsste es dafür herhalten. Rakete Royals drahtig federnder Power-Pop mit dem Spritzer PunkRockness war eine echte Bereicherung. Der ganze Vortrag der Band war recht souverän, jedenfalls kein Grund für Unsicherheit. Dass Sängerin Jule hin und wieder dennoch den Eindruck machte war völlig unnötig. Sie hat Ihre Frontposition toll ausgefüllt. Die musikalische Raketen-PowerPop/Rock- Hose jedenfalls passte formschön ohne dabei im Schritt wertkonservativ zu zwicken. Vielen Dank für Euren Besuch in Magdeburg, gerne wieder. 

Apropos Jurygespräch. Es ist etwas anderes in einem persönlichen Gespräch einer mir bis dato noch nicht bekannten Band meine subjektive Meinung aufzudrängen oder bei Kaffee und Kuchen einen Blog zu schreiben. Die Dame und die Herren von Plant RoXter haben es mir dank ihrer Offenheit dann doch leicht gemacht. Die sympathische Band nahm die Juryentscheidung wesentlich leichter als ein geringer Teil der mitgereisten Fans. Wir kamen jedenfalls im Gespräch von Ar***backen zu Kuchen backen, von der Live-Situation im heimischen Gardelegen bis zu grundsätzliche Sachen rund um das fast schönste der Welt, Musik machen. Die Band hat uns viel Spaß gemacht und war ein schöner Schlusspunkt des Abends. Planet RoXter erfinden das Rad nicht neu. Das ist ehrlich und sympathisch, und einfach heißt ja nicht einfallslos.  Powerchords und Chorus-Hook sowie Emotionen und Gesang und Song, mehr braucht es doch nicht. Der Band meine besten Wünsche in der Hoffnung, dass wir sie wieder sehen. 

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