Juryblog 1. Vorrunde 2014

Henning Lühr

Von Henning Lühr:

Es war abzusehen, dass insbesondere eine Neuerung des Wettbewerbs das Zeug hat, für Aufregung zu sorgen. „Aufregung“ will ich an dieser Stelle aber ausdrücklich ganz wertfrei verstanden wissen. Die Publikumsentscheidung. Je nach Sichtweise wird man diese preisen oder aber auch bedauern. Und somit war beides auch mit Ansage am vergangenen Samstag beim ersten Vorausscheid des SWM Talentverstärkers festzustellen.

Glückliche Nutznießer dessen waren Delt∆ aus Magdeburg. Nach altem Entscheidungsmodus hätten die jungen Musiker es wohl nicht auf die Finalbühne geschafft. Arge Bauchschmerzen habe ich dennoch nicht bei dieser Entscheidung. Es war durchaus erfrischend, was die vier da auf die Bühne brachten und dabei die Grenzen des den Wettbewerb ansonsten dominierenden Rocks aufbrachen. „Frisch/erfrischend“ ist letztendlich auch das, was für die Band zu Buche schlägt. Da war eine Menge an Ideen zu erkennen… und potentielle Ohrkriecher. An der Band ist es nun, diesen ein passendes Gewand zu verpassen. Das jetzige ist hier und da noch recht weit. Einiges mag sicherlich die noch zu sammelnde Erfahrung in Zukunft wettmachen, wenn dazu Songwriting und Gesang noch besser aufeinander abgestimmt würden, dann (wenn ich nun schon mal mit dem Vergleich angefangen habe) sitzt das Gewand schon viel vorteilhafter. Spannend ist es zu sehen, was diesbezüglich in vier Wochen möglich ist.

Die drei Jungs von Deepest Fish mochte ich sehr und hätte sie gern im Wettbewerb ein zweites Mal gehört. Ihr Vortrag war sehr energetisch, trippig und handwerklich ohne Tadel, wenn auch (als Instrumentalband wahrscheinlich zwangsläufig) recht introvertiert. Aber auch ohne Frontfrau oder -mann im Mittelpunkt der Bühnenpräsenz, vermochten die drei Jungs nicht nur mich, sondern auch das Publikum durchaus zu packen. Das Set hatte was von einem Soundtrack, Magnum kommt über Hawaiis Hügel gebraust und der Motor seines Ferraris 308 wummert im Wah-Wah-Takt (oder so…). Wer weiß, wie die Geschichte ausgegangen wäre, hätten sie noch drei Songs mehr Zeit gehabt oder hätten an späterer Stelle spielen können. Danke, Jungs.

Mit Fatman Strikes gab es gehörig was auf die Zwölf. Und das mit ordentlich Druck, angenehm ungestüm, rotzig und dennoch technisch sauber. Besonders die aufgewertete Gitarrenarbeit im Vergleich zu weiland bei den SWM MusiCids ist mir aufgefallen. Ein richtiges und gerechtfertigtes Set. Auch wenn sie forderten „love us or hate us“, setzte ich mich dazwischen, ich liebe sie zwar noch nicht kritiklos, aber richtig gut leiden kann ich sie schon. Wir hatten ja aber auch erst zwei Dates.

Bobby Ka war die ausgereifteste Band des ersten Vorausscheids. Das Bild passte in seiner Gesamtheit. Überzeugende Bühnenpräsenz und Interaktion mit dem Publikum, ausgereifte Technik, gute Ideen und schlaues Songwriting. Alles in allem sehr souverän, und da sie es wohl auch selbst gemerkt haben, letztendlich auch sehr entspannt. Damit haben sie die Latte des Abends sehr hoch gehängt. Die Jungs wissen, wohin die Reise geht. Bleiben tut da tatsächlich die Frage, was da noch kommt und ob die Band noch ein Talent im klassischen Sinne des Wettbewerbs ist, oder ihren Weg schon gefunden hat. Zum Vorwurf kann man das der Band aber nun wirklich nicht machen.

Mit Sonic Jam stand eine richtige (und auch charmante) Rockband auf der Bühne. Die sehr überzeugende Sängerin Vici hinterließ dabei mit ihren dargebotenen vielfältigen stimmlichen Facetten den nachhaltigsten Eindruck. Damit war sie weit vorn. Hinsichtlich des Songwritings, denke ich mir, stände es der Band gut zu Gesicht, würden sie ihre Besonderheiten noch mehr herausarbeiten. Es groovt und geht gut in die Beine; Partys zu rocken, dürfte Sonic Jam ohne Zweifel leicht fallen, die Gefahr besteht meines Erachtens aber darin, dass man dann schnell als (Verzeihung!) „Partyband“ wahrgenommen wird und eben nicht mehr als Sonic Jam. Das hätte die Band nicht verdient (und auch überhaupt nicht nötig). Alles in allem ein beeindruckender Vortrag und ein weiterer Grund, die Qual der (Jury)Wahl zu verstärken, da es ja nur einen Finalteilnehmer zu küren gab.

Maxim Chubarov

Von Maxim Chubarov:

Die erste Runde des größten Musikwettbewerbs Sachsen-Anhalts liegt hinter uns. Am vergangenem Samstag eiferten die ersten fünf nominierten Bands um den Einzug in das große Finale in der Factory Magdeburg. Bei einem Besucherrekord von 300 Leuten in der Sudenburger Markthalle war die Spielfreude der Teilnehmer größer denn je. Dabei hat dieses Quintett an Bands die Messlatte für die kommenden Ausscheide hochgelegt. Ich möchte euch meine rein subjektive Meinung mitteilen und das Urteil, wie es im Endeffekt entschieden worden ist, begründen.

Nun aber etwas detaillierter: Erst einmal möchte ich nochmals betonen, dass ein Wettbewerb wie der SWM TalentVerstärker vor allem Künstler fördern muss, die von dem Gewinn und den gesammelten Erfahrungen am meisten profitieren können. Der Gewinner bekommt neben der medialen Aufmerksamkeit und Equipment einen Studioaufenthalt und die Pressung einer eigenen EP. Für eine Band, die noch nie solchen „Luxus“ genießen durfte, ist diese Möglichkeit Gold wert – sich professionell abmischen zu lassen, sich überhaupt einmal richtig von der Seite hören zu können.

Bei meiner Bewertung schwingt immer der Gedanke im Hinterkopf: welche Band bringt die besten Ideen mit, um sich mit einem solchen Gewinn am besten weiterentwickeln zu können. Am Ende ist es wirklich immer schwer eine Entscheidung zu treffen und gewinnen kann eh nur einer. Selbst bei der Auswahl waren wir als Jury diesmal eingeschränkt, da aus unserer Macht nur eine Band ins Finale gewählt werden konnte. Die zweite Band verdankt ihre Weiterleitung allein dem Publikum. Bei Twitter könnt ihr den Abendverlauf unter dem Hashtag #pop10swm nochmal nachverfolgen. Aber alles der Reihe nach:

Deepest Fish: Sehr sphärisch und vor allem technisch herausragend zeigte sich die erste Kombo am Abend. „Unser nächster Song heißt ‚Auf die Fresse Sojakresse’“, sorgte für Schmunzeleien und obwohl gar kein Gesang dabei war, hat man diesen kaum vermisst und fühlte sich von dem Trio unterhalten. Dies machte sich auch im Publikum bemerkbar. Die Sudenburger Markthalle ließ sich sehr schnell mitreißen und wippte nach einigen Taktschlägen schon mit. Deepest Fish bewegen sich zwischen Post-Rock, Metal und Funk. Mit nur drei Songs hatte ich den Eindruck durch sämtliche Genres durchgejagt worden zu sein.

Komisch ist aber, dass man trotz des neues Projekts den direkten Vergleich zur ehemaligen Besetzung von Birds On The Balcony im Kopf hat. Das war zwar definitiv nicht das Kriterium der Bewertung, trug aber dennoch zur Wahrnehmung bei. Leider sah die Jury andere Bands weiter vorne, deshalb mussten wir uns gegen Deepest Fish entscheiden.

Delt∆: Die umstrittenste Band des Abends. Der Anfang der Performance war sehr sympathisch. Frische neue Gesichter sah man auf der Bühne. Leider wirkte es etwas zu frisch. Es hapert oft am Rhythmus, der Gesang ist schief und insgesamt wirkt Delt∆ noch sehr unreflektiert. Da fehlt es im Gegensatz zu den Mitbewerbern noch komplett an Erfahrung.

Was ich jedoch mochte, waren ihre Ideen und die Melodien. Die zweistimmigen Parts, der Einsatz der Samples und auch die ohrwurmlastigen Mitsing-Parts blieben bei mir Hängen. Selbst jetzt könnte ich immer noch 1-2 Songs nachsingen. Irgendwie sind Delt∆ catchy – aber sie wissen eben nicht wirklich, wie sie das Ganze unter einen Hut bringen können und vor allem wie sie es umsetzen sollen. Durch das Publikumsvoting bekamen sie die Möglichkeit, sich in paar Wochen beim Finale noch einmal beweisen zu dürfen. Eine gute Möglichkeit sich schleunigst an die Baustellen zu setzen. Ein Monat ist zwar ziemlich wenig Zeit, jedoch haben die Jungs und Mädels die Chance die größte Überraschung zu landen, indem sie es schaffen, einen Fortschritt im Vergleich zum Vorausscheid zu präsentieren. Ob das so sein wird, liegt allein in der Macht der Band.

Fatman Strikes bewegen sich im Bereich vom klassischem Metal bis Hard Core. Mit einer Gasmaske als Deko und den für die Musikrichtung üblichen Allüren präsentieren sich Fatman Strikes. Wie schon in dem Blog zuvor muss ich einfach zugeben, dass ich mich auf diesem Gebiet wenig auskenne und leider nur eine technische Beurteilung geben kann. In dieser Hinsicht hörte ich hier und da mal einen Aussetzer, was der Show jedoch nicht unbedingt schadete. Dennoch unterlagen die drei Jungs ihrer Konkurrenz und sind somit nicht im Finale. Trotzdem vielen Dank für den Beitrag.

Bobby Ka – unmissverständlich die Gewinner des Abends. Die Jungs haben professionellen Sound, kluges Songwriting und mitreißende Ausstrahlung. Sie scheuen nicht vor Show-Einlagen und sind sich ihrer Wirkung den ganzen Auftritt über bewusst. Kommunikation mit dem Publikum beherrschen sie genau so gut wie ihre Instrumente. Da wir in der Jury nur eine Band für das Finale nominieren durften, war es klar, Bobby Ka muss rein.

Meine einzige Kritik liegt darin, was ich bereits weiter oben angedeutet habe: Ich bin mir nicht sicher, in wie weit der Wettbewerb diese Band noch fördern kann. Auf mich wirkten Bobby Ka, als ob sie bereits an der Spitze ihrer Leistung angekommen sind. Ich lass‘ mich dennoch im Finale gern eines Besseren belehren und mir zeigen, dass das Pulver noch nicht verschossen ist.

Sonic Jam: Eines steht fest – die schönste Stimme des Abends geht an Sängerin Vici von Sonic Jam. Gesanglich lag die Performance über allen anderen Bewerbern. Allerdings wirkten die Songs nach einer Weile doch sehr gleich. Trotz des professionellen Sounds und Ausstrahlung auf der Bühne konnte ich die Besonderheit der Band nicht wirklich heraushören. Für mich schien es so, als ob ich nach dem dritten Song schon alles gehört habe und auch hier stellte ich mir die Frage: in wie weit kann man das noch fördern? Letztendlich mussten wir in der Jury einsehen, dass die Leistung von Bobby Ka bemerkenswerter war.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen Teilnehmern am vergangenem Samstag. Wir hatten eine interessante Mischung aus den verschiedensten Bereichen, unterschiedlichster Genres und Entwicklungsstadien. Umso gespannter bin ich auf die nächsten Vorausscheide und freue mich auf die kommenden Beiträge. Was ist denn eure Meinung? Wie fandet ihr den vergangen Vorausscheid? Ihr dürft eure Meinung gern in den Kommentarbereich unten posten. Ansonsten sehen wir uns am kommenden Samstag, den 12. April, in der Sudenburger Markthalle zur zweiten Runde.

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