Juryblog 2. Vorausscheid 2015

Henning Lühr

Von Henning Lühr:

Der zweite Vorausscheid, ich war guter Dinge und das Line Up ließ einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Abend erwarten. Und es war auch an dem, dank fünf toller Bands und Interpreten, die mir wieder einmal verdeutlichten, wie wichtig die Veranstaltung auch, ach was, besonders über den Wettbewerbsgedanken hinaus geworden ist. Hier nun meine Eindrücke in willkürlicher Reihenfolge.

Durchaus nicht überraschend war der Fakt, dass sowohl Publikum als auch Jury die Jungs von Smoke N Mirrors ganz weit vorn gesehen haben. Zu dynamisch und unterhaltsam war deren Vortrag. Meine Herren, die hatten wahrlich Feuerwerkskörper im Allerwertesten. Ihr „powerchord“- basiertes, schon recht 80er geprägtes, Repertoire vom sleazigen Mitgröhlrocker bis zum Hardrockschunkler kam auf den Punkt daher. Es rockte jedenfalls heftig und mitreißend. Da gab es schneidende, aufreizende Riffs, vielstimmigen Gesang, sing- along- Refrains, eingängige Hooklines und eine angenehme Portion Coolness und Großschnäuzigkeit. Jedes für sich durchaus beindruckend und in der Summe dann eine schlichtweg bemerkenswerte Performance und Rock’n’Roll mit Ecken und Kanten.

Vielleicht nicht ganz so offensichtlich wie die Vorgenannten hat sich für uns in der Jury JayFizy für das Finale empfohlen, auch wenn es nicht unkommentiert und un- diskutiert geschah. Johns Außenwirkung kann man ruhig als durchaus zurückhaltend beschreiben. Ich weiß nicht, ob und wie oft er bereits vor Publikum aufgetreten ist, auch ist der Startplatz eh immer etwas schwierig, aber dennoch wünschte ich mir für das Finale mehr Präsenz auf der Bühne und Interaktion mit dem Publikum, erst recht wenn die Stille zwischen den Tracks anfängt unangenehm zu werden. Denn das passte gar nicht zu eben diesen, denn verstecken mussten die sich nämlich überhaupt nicht. Eingespielt hat sie John allesamt selbst, der Rapper hat sie also nicht nur schnöde zusammengebastelt, sondern weiß durchaus verschiedene Instrumente zu bedienen. Apropos bedienen, Johns Tracks – ich nenn das mal Club- Hip Hop – machen selbiges meines Erachtens auch mit den durchaus nicht seltenen Vorstellungen vom Genre. Insbesondere das letzte Stück hatte Hitcharakter. Für mich sprach ausdrücklich Johns Potential. Es ist nun an ihm, dies auszuschöpfen.

Und genau das, Potential nämlich, ist das Mindeste was man den vier Jungs von Shrinkhead bescheinigen kann. Ich war beeindruckt von dem, was die Jüngsten des Wettbewerbs da anboten. Und weit entfernt bin ich dabei davon, dies als „goldig“ oder „niedlich“ zu bezeichnen. Mal davon abgesehen, dass es das letzte sein dürfte, womit die Jungs charakterisiert werden wollten, griffe das viel zu kurz. Zu sehr versiert sind sie bereits in ihren jungen Jahren im Umgang mit ihren Instrumenten. Da ziehe ich meinen Hut, respektive Kappe. Ihre Einstellung und wie sie das Publikum einbanden, war nicht minder beeindruckend. Auch wenn es an diesem Abend mit dem Finaleinzug noch nicht geklappt hat, bei der Einstellung und dem deutlich sichtbaren Spaß an der Sache sollte da in Zukunft noch einiges gehen.

Roar!Machine Performance hatte es in sich. Man fühlt sich, als wäre man unter eine musikalische Dampfwalze geraten. Eine Gitarrenwand aus erdigem, dreckigem und kraftvollem Hardrock lies wenig Platz zum Atmen. Und über allem dröhnte des charismatischen Sängers Organ, der seiner wohl armen, dem Teufel geweihten Seele Luft verschaffte. Fünf gestandene Männer, die bei ihren Auftritten vermutlich grundsätzlich nicht vorhaben, Gefangene zu machen. Es wurde nach Herzenslust gerockt und gerollt und bewiesen, dass sie es neben ihrer Rose Tattoo- Vorliebe auch mit eigenen Arrangements bringen. Besonders sympathisch fand ich dabei, dass die Herren sich augenscheinlich bei der ganzen Sache selbst nicht ungebührend ernst nahmen. Und so bin ich auch sicher, dass der Musikanten Seelenheil ob der knapp verpassten Finalteilnahme keinen Schaden nehmen wird.

Auf die meines Wissens nach Talentverstärker- Debütanten und mir bis dato unbekannten Calbenser Zeitgeist13 war ich recht gespannt, auch weil Hardrock/Metal mit deutschen Texten ja nicht unbedingt dem namensgebenden Zeitgeist der letzten Jahre entspricht. Und ja, es passt auch heuer noch. Die sympathische Band um Sänger und Gitarrenlehrer Andi Schneidewind bestach meines Erachtens insbesondere durch ihr „handwerkliches“ Geschick und eine souveräne Bühnenpräsenz. Trotz durchaus vorhandener Hooklines und eingängiger Refrains wünschte ich mir für ihre Arrangements hier und da jedoch mehr Überraschungen, um ihnen auf Dauer die gebührende Aufmerksamkeit auch nachhaltig zu sichern.

Allen Bands sei wiederholt für den äußerst unterhaltsamen Abend gedankt.

Jury-Jenny

Von Jenny Reich:

Und schon liegt auch der zweite Vorausscheid hinter uns. Dieser war insgesamt nochmal etwas bunter als der erste und sorgte für viel Unterhaltung. Die Jury machte es sich dieses Mal alles andere als leicht auf einen Nenner zu kommen.

Den Abend eröffnen durfte der Rapper JayFizy aus Wolmirstedt, der mit seiner Musikrichtung für ein absolutes Kontrastprogramm sorgt. Anders als alle anderen Teilnehmer stand er ganz allein auf der Bühne und somit in der vollen Aufmerksamkeit der Zuschauer. Doch er schaffte es, unglaublich präsent zu wirken und zog seine Show in einem Abwasch durch. Die Beats produzierte er selbst daheim und rappte dann auf der Bühne dazu. Vor allem sein letzter Song gefiel mir sehr gut, da er sich hier getraut hat zu singen. Von solchen Songs möchte ich gern mehr hören! Ich hätte mir noch mehr Interaktion mit dem Publikum gewünscht, aber vielleicht überrascht er uns ja im Finale. Denn er wurde von der Jury weitergeschickt und darf am 09.05.2015 in der Factory gegen 5 andere Bands antreten und sich behaupten.

Shrinkhead aus Aschersleben gaben dem Publikum wieder ordentlich lauten Metal auf die Ohren. Beeindruckend war hier, dass die vier Jungs erst 13-17 Jahre alt sind und doch so selbstsicher auf der Bühne standen und immer wieder Worte an das Publikum richteten. Sie rockten die Bühne und ihr Bassist ist jetzt schon ein absoluter Profi was das Headbangen angeht. Bei einem ihrer Songs motivierten sie sogar das ganze Publikum zum Klatschen, was man als Band erst einmal schaffen muss. Besonders gut gefiel mir auch ihre Message: Sie wollen dem Publikum beibringen ’sich für nix und niemanden auf der Welt zu ändern.‘ So eine tolle Einstellung in diesem Alter ist wirklich bewundernswert. Am Ende reichte es leider nicht ganz, doch ich bin mir sicher, dass wir sie bald nochmal wieder sehen werden.

Diese 5 Männer aus Schönebeck sind der Inbegriff des Rocks. Roar!Machine bezeichnen ihren Musikstil selbst als arschtretenden Schweinerock. Einheitlich gekleidet in Arbeitsanzügen bedruckt mit ihrem Bandnamen legten sie eine sehr unterhaltsame Performance hin, sodass niemand im Publikum wegschauen konnte. Bei einem Song erweiterten sie ihre Band sogar um eine ‚Beatsau‘ aus dem Publikum, der mit einer Plüschgitarre auf der Bühne mitrocken durfte. Ich würde sagen von Schweinerock verstehen die Männer wirklich etwas! Doch auch hier reichte es leider nicht für das Finale, da einige Stellen noch ausbaufähig sind. Die Männer lassen sich jedoch davon sicher nicht beirren und ziehen ihre Show weiterhin durch und rocken Schönebeck.

Rockig ging es weiter mit Zeitgeist13 aus Calbe. Anfangs erinnerte mich der Sänger sehr an Bela B. von den Ärzten. Und genau mit dem Stil der Ärzte kann man diese Band wohl am besten vergleichen. Sie haben sogar selbst schon ein eigenes Album produziert, in das man gern mal reinhören kann. Auf der Bühne lieferte der Bassist eine sehr gute Show, doch leider klangen alle Stücke insgesamt doch relativ gleich. Mir fehlte hier so eine Art Überraschungsmoment, etwas das heraus sticht.

Smoke N Mirrors aus Magdeburg waren der Überraschungsact des Abends. Sie lieferten eine wirklich gute Performance ab und entführten die Zuschauer in die Welt des 80’s Hardrock, der leider schon fast wieder in Vergessenheit geraten ist. Es machte richtig Spaß, den Jungs zuzuhören und zuzuschauen. Die ganze Band rockte die Bühne, vor allem ihr Gitarrist ist die Coolness in Person und lässt wohl das eine oder andere Frauenherz schneller schlagen. Das Publikum kam bei diesem Auftritt also nochmal richtig auf seine Kosten und hatte sehr viel Spaß vor der Bühne. Zum Schluss forderten sie sogar lautstark eine Zugabe. So wunderte es wohl niemanden, dass Smoke N Mirrors die mit Abstand meisten Publikumsstimmen erhielten und somit auch ins Finale einziehen dürfen.

Ich bedanke mich natürlich wieder bei allen Teilnehmern des zweiten Vorausscheides für diesen musikalisch bunten unterhaltsamen Abend.

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