Juryblog 2. Vorrunde 2014

Henning Lühr

Von Henning Lühr:

Der zweite Vorausscheid stand im Zeichen des Rock und es gab musikalisch einiges auf die Mütze. Ein toller Abend, dank der teilnehmenden Bands und Interpreten aber auch dank des zahlreich erschienenen Publikums, das viel Spaß hatte und daraus erfreulicherweise keinen Hehl machte.

Das Publikums- Final- Ticket löste Screw FM dank eines gehaltvollen musikalischen Eintopfes (nicht despektierlich gemeint), dessen Zutaten sie sorgfältig aus der reichen Musikhistorie gewählt haben. Nicht überwürzt, nicht zu viele Ingredienzien und fein aufeinander abgestimmt. Und damit das dann auch wirkt, wurde laut aufgetragen, richtig laut. Eine rechte Rock-Walze. Das hat beeindruckt, augenscheinlich auch das Publikum und das auch über anwesende Fans hinaus. So darf man resümieren, dass man es dann ja für gewöhnlich richtig gemacht hat. Ein souveräner Auftritt, besonders vor dem Hintergrund, dass die Herren erst seit sehr kurzer Zeit zusammenspielen. Für meinen Geschmack sollte sich die Band jedoch für Ansagen in einer Sprache entscheiden.

Auch wenn sich an Konfetti und Seifenblasen die Geister scheiden mögen, ist zu konstatieren, dass beim Set von The Ape Escape eine ganz famose Stimmung herrschte. Und das mit Recht. Ich weiß gar nicht, warum vorab wiederholt so vermeintlich schlechte Karten bei der Jury beschworen wurden. Mal davon abgesehen, dass die Band bei selbiger durchaus wohlgelitten war, war der Vortrag nun wirklich nicht so weit draußen, dass es da hätte Bedenken geben müssen. Sei es drum, die Band hat bewiesen, dass der ihnen vorauseilende Ruf als Rockspektakel nicht von ungefähr kommt und durchaus Gründe geliefert, warum sie eine bemerkenswerte Zahl an Fans ihr eigen nennen darf. Auch wenn es hier und da nicht in Gänze zünden wollte (technische Probleme?) haben die Jungs alles in allem ein solides bis beeindruckendes Set abgeliefert. Direkte Texte, Leidenschaft, Hardrock ganz groß geschrieben und ein sehr charismatischer Sänger. Letztendlich fehlten ein klein wenig das Überraschungsmoment und insbesondere beim Publikumsentscheid ein, zwei Stimmen am Weiterkommen.

Als äußerst sympathischer Zeitgenosse erwies sich Steven Genz. Ihm oblag es, wenn auch via Los, als dritter Interpret zwischen all den Rockern des Abends für ein paar Momente des Innehaltens zu sorgen. Zumindest stilistisch. Steven wusste dann auch mit durchaus schnieken Arrangements aufzuwarten. Dass sein Vortrag und sein Mut zur Offenbarung, von einem Teil des Publikums nicht respektiert, geschweige denn goutiert wurden, habe ich bedauert. Das hätte ich eigentlich erwartet, auch wenn kaum zu überhören war, dass sowohl Bühne als auch Wettbewerb in diesem Jahr für den Singer/Songwriter noch zu groß waren. So forderte – neben dem spürbar aufgeregten Auftritt – Stevens Nervosität hörbar ihren Tribut bei Teilen seines Gesangsvortrags. Aber wie gesagt, sehr sympathisch mit einigem Potential.

Die Balcony Basterds, angereist mit viel Spielfreude und einem illustren Publikum, waren für mich durchaus ein Grund, warum ich den Wettbewerb auch weiterhin für richtig und wichtig halte. Band und Publikum hatten gemeinsam Spaß an der Sache. Musikhandwerkliche Feinheiten waren hier nicht entscheidend, sondern, ich wiederhole es gern noch einmal, der Spaß an der Sache und die spürbare Spielfreude. Und, wie sagte einmal einer der Mitjuroren, „der Rest ist Rock’n’Roll“. Ganz nebenbei gab es mit „Durch die Nacht“ auch noch eine kleine feine Sing-a-long- Streetpunk- Hymne auf die Ohren. Hat mir Spaß gemacht.

In Sane aus Stendal haben für mein Dafürhalten an diesem Abend einfach für die meisten Überraschungen gesorgt. Und damit meine ich ausdrücklich nicht die Menge der Gäste auf der Bühne oder den Rosen verschenkenden Phallus. Im ersten Falle sorgte das zwar für Abwechslung, bei einem halbstündigen Set aber bitte beim Finale nicht noch einen drauf legen, das wäre echt drüber. Nein ich meine zum einen die tollen Gesangsparts und das Händchen für prima Melodien, mal ganz offensiv, mal eher versteckt. Mir auf Dauer etwas zu dominant waren die Shouts, gerade wenn die einen so famosen Gesang als Gegenpart haben. Letztendlich ist das aber wohl Geschmackssache. Genauso wie die heftigen Breaks. Vielleicht täte ein etwas sparsamerer Umgang mit beidem den Songs ganz gut. Der Song nach Rapper Stevie (der dritte?) kam dem und einem Ohrwurm zum Beispiel schon sehr nahe. Ich bin gespannt, was die Jungs in der Factory da noch drauf packen können.

Maxim Chubarov

Von Maxim Chubarov:

Wie die Zeit rennt und schon liegt der zweite Vorausscheid in der Vergangenheit. Insgesamt war dieser deutlich lauter als der erste. Die meisten Teilnehmer nahmen sich nicht viel Spielraum im Dezibel-Spielraum und so voreingenommen ich beim Lesen der Bandaufstellung für den Abend auch war, umso einfacher war es im Endeffekt die einzelnen Beiträge zu vergleichen. Die Jury-Entscheidung fiel dieses Mal nicht wirklich schwer aus. Ich erkläre hier warum.

Außerdem haben wir für euch fleißig getwittert. Unter dem Hashtag #pop10swm könnt ihr den Vorausscheid nachvollziehen.

Screw FM: Diese Fünf bringen ziemlich viel Ego auf die Bühne, was gar nicht so negativ gemeint ist. Ich mag es, wenn man eine Distanz spürt, wie im Fall von Screw FM. Unsere Jury-Frau Karolin Aertel von der Volksstimme schwärmte nur von den schönen Haaren des Frontsängers Chris aber auch er selber schien sich seiner Ausstrahlung bewusst zu sein. Beschreiben würde ich das Gehörte und Gesehene als klassischen Rock und auch ich musste feststellen, dass ich mich zum Schluss mitreißen lassen hab. Trotz lauter Performance mochte ich die melodiösen Parts, auch wenn ich im Kopf immer die Gedanken hatte, dass ich das alles irgendwo schon mal gehört habe. Egal. Screw FM schaffen nur ganz knapp den Einzug ins Finale durch die Kraft des Publikums. Dafür herzlichen Glückwunsch!

Ein Tipp an dieser Stelle sei aber gemacht: Leicht albern wirkten die englischen Ansagen auf mich. Leichte Fremdscham kam auf, als die Ansagen immer und immer wieder für Belustigung sorgten. Trotzdem eine gute musikalische Leistung und ein sehenswerter Act im Finale.

Die Jungs von The Ape Escape haben es nicht verpasst, schon im Vorfeld auf sich aufmerksam zu machen. Durch eine lange Erklärung auf ihrer Facebook-Page haben diese versucht ihre Fans in die Sudenburger Markthalle zu locken unter dem Vorwand, die Jury würde die Musik auf Grund des Genres ausschließen. Nun sehe ich das so: die Jungs sind ja wirklich nette Burschen, aber beim Lesen dieses Kommentars musste ich wirklich nur noch Kopfschütteln. Zwar möchte ich an dieser Stelle das Ganze nicht auseinanderklamüsern aber die Einschätzung so weit hingehend, dass der SWM TalentVerstärker nach Radiotauglichkeit und Mainstream-Charakter auswählt, ist gänzlich falsch. Auch das scheinbare Schüren der Rivalität zwischen den Bands ist absolut kein Anliegen dieses Wettbewerbs und ganz ehrlich: wir reden hier von einer überschaubaren Größe, bei der solche Aussagen nahezu lächerlich klingen. Aber der SWM TalentVerstärker wäre nicht der SWM TalentVerstärker, wenn es nicht immer um skandalöse verschwörerische Gedanken gehen würde. Diesen Vorwürfen musste sich der Wettbewerb in jedem Jahr stellen und jedes Jahr aufs Neue gilt dies zu widerlegen.

Aber jetzt mal zur Performance: Nun habe ich nach solch einer Vorlage wirklich erwartet, dass die Fünf auch ordentlich auf die Kacke hauen und den Leuten zeigen wo der Hammer hängt. In meinem Kopf kamen Bilder à la Feine Sahne Fischfilet auf, nun ja… soweit kam es dann doch nicht. Die Texte waren zwar provokativ gemeint, aber dann doch sehr einfach gestrickt. Die mitgebrachten Fans haben mit aller Mühe versucht, die Stimmung am Kochen zu halten, jedoch mit den Seifenblasen- und Konfetti-Einlagen glich der Anblick eher einer Art Kindergeburtstag und war schier unglaubwürdig. Mit Punk-Rock hatte das meiner Meinung recht wenig zu tun und so sind die Jungs auch bei der Publikumsentscheidung knapp am Finaleinzug vorbeigeschlittert.

Erstmal möchte ich mich für den Mut von Steven Genz bedanken, sich neben den vier schreihalsigen Bands im Vorausscheid behaupten zu wollen. Allein mit der Gitarre bewaffnet zog er in den ungleichen Kampf gegen die Schallpegelwand der Konkurrenten. Leider verhielt sich das Interesse umgekehrt proportional zur Lautstärke. Bei Steven verließen die meisten Besucher die Halle. Diejenigen, die dann doch drin geblieben sind, hielten es für wichtiger, sich zu unterhalten, statt der Musik zuzuhören, was an dieser Stelle wirklich unfair und respektlos seitens der Fans der konkurrierenden Bands war.

Leider schaffte es Steven aber auch nicht wirklich, musikalisch zu überzeugen. Die Stimme war viel zu dünn, das Gitarrenspiel zu schlicht und die Ausstrahlung zu nervös. Definitiv wären dies für eine schöne Lagerfeuer-Stimmung genau die richtigen Komponenten aber für die Wettbewerbsbühne reicht diese Leistung leider nicht aus.

Die Balcony Basterds brachten wieder die Zuschauer vor die Bühne. Nach einem längeren Intro kam dann die erste Überraschung. Nicht Frontmann Dennis ergriff das Mikrofon, sondern Schlagzeuger Felix. Dass die Jungs Spaß auf der Bühne hatten, ist unumstritten, jedoch konnte sich dies nicht über die rhythmischen Schwierigkeiten hinwegsetzen. Auch die schiefen Töne in den gesungenen Parts konnte ich nicht überhören. Ob das an der Doppelbelastung des Schlagzeugers lag, oder daran, dass er sich schlichtweg einfach nicht gehört hat, kann man an dieser Stelle nur spekulieren. Im Vergleich zu den Mitbewerbern konnten die Magdeburger sich leider nicht durchsetzen, somit war die Jury-Entscheidung auch zu diesem Beitrag einstimmig.

Für das größte Aufgebot auf der Bühne sorgten an diesem Abend In Sane. Gastauftritte, Show-Einlagen und ein musikalischer Mix aus Screamo, Hip Hop, Punk und High-School-Rock stießen auch beim Publikum auf Zustimmung. In meinem Kopf tauchten die unterschiedlichsten Vergleiche auf. Der Sänger Alex erinnerte mich mit seiner Art an den Frontmann Sebastian der Band Madsen, die auch ihren Anfang in ähnlichen Genres hatten. In seiner Haltung, Ausstrahlung und Präsenz zog ich da einige Vergleiche. Der Gast-Track mit der Hip-Hop Einlage hatte für mich etwas Kraftklub-artiges. Ich hörte interessante Ideen, die noch nicht ganz bis zum Schluss durchgedacht waren, aber definitiv einen fruchtbaren Boden erahnen ließen. Meiner Meinung nach, könnten die Schrei-Parts sparsamer verwendet werden, denn Alex muss sich nicht hinter seiner Stimme verstecken, die einen durchaus angenehmen Klang hat. Insgesamt war das eine sehr sympathische und vor allem authentische Performance.

Wie schon im Pop10-Beitrag angekündigt, hoffe ich, dass die Band nicht ihr komplettes Pulver bereits verschossen hat, bevor es überhaupt um die Wurst im Finale geht. Da lasse ich mich durchaus nochmal überraschen, jedoch ist auch die Erwartung dementsprechend hoch, was die die fünf Jungs am 10. Mai in der Factory Magdeburg vorbereiten werden.

Kommenden Samstag, am 19. April, findet nun der letzte Vorausscheid in der Sudenburger Markthalle statt. Hier wird es sich entscheiden, wer die letzten beiden Finalbands sein werden, die um den Sieg musizieren dürfen. Hier im Blog dürft ihr natürlich auch eure Meinung loswerden. Findet ihr die Entscheidung gerecht oder seht ihr es genau umgekehrt. Bin auf eure Kommentare gespannt!

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